,,Im Schwarm”
Rauminstallation im Pavillon des Gerhard Marcks Hauses mit Ausstellung vom 07. November 2021 - 13. Februar 2022
Die vierte gemeinsame Arbeit der bildenden Künstlerin Dina Koper und des Komponisten Christoph Ogiermann ist ein visuell-elektroakustisches Projekt. Grundausstattung des Raums sind aus unzähligen Abbildungen und Zeichnungen von Koper zusammengesetzte, den Raum füllende Scherenschnitte. Auf diesen Scherenschnitten erzeugen Licht und Videoprojektionen stets neue skulpturale Raumeindrücke. Die mehrkanalige Arbeit von Ogiermann für dieses Projekt ist aus instabilen Schwingkreisen gewonnene elektroakustische Musik, die an „natürliche“ Schwarm-Phänomene erinnert. In ihren Bedeutungsebenen kreist die Arbeit um mögliche Themen wie Schwärme, Dickicht aber auch um Sexualität, Mythos und Körper.
Für die Herstellung der Papiergehänge sind eigene Aquarellzeichnungen von weiblichen Reproduktionsorganen und vorgefundene historische Zeichenstudien von Insekten vervielfältigt worden und so auf Papier geleimt, dass daraus raumgreifende Gehänge ausgeschnitten werden konnten. Die so entstandenen Papierarbeiten eignen sich durch ihre Positivformen und Negativ-Zwischenräume in Ihrer Überlagerung ausgezeichnet als filmische Projektionsfläche mit weiteren Schwärmen und kreieren dadurch einen Raum der vom „Schwarm“ komplett eingenommen wird.
Der Flug der Insekten wird hier gleichgesetzt mit Freiheit, Rausch und orgasmischen Zuständen. Gleichzeitig wird hier die Furcht vor Insekten, die aus einer ähnliche Urangst zu stammen scheint wie die vor der weiblichen Sexualität, hinterfragt.
Zu dieser Arbeit entstand ein Katalog.
Zitat aus dem Katalog Gerhard Marcks Haus von Direktor Arie Hartog:
„Die eigentliche Besonderheit von „Im Schwarm“ ist die Gleichzeitigkeit und Überlappung der Medien. Konzeptuell gibt es eine „Gleichzeitigkeit des Unverbundenen“ im Sinne von John Cage. Eine maximal gegenstandslose Musik und explizit gegenständliche bildende Kunst erzeugen zusammen eine atmosphärische Erfahrung (gar ein Bild), das sich für die Dauer des Aufenthalts im Raum ergibt und das durch das Dargestellte dominiert wird. Durch die Videosequenz und dem Wechsel zwischen einem Film mit fliegenden Tieren und weißem grellen Licht versprang die visuelle Aufmerksamkeit von den bewegenden Motiven zu den Darstellungen auf dem Papier zu den Licht-Schatten-Projektionen auf den Wänden und zurück. Der mehrteilige Aufbau (drei Beamer, zwölf Papierarbeiten und eine sechs-kanälige Musikspur) führte zu einer Komplexität, die sich in der Erfahrung nicht mehr analytisch bewältigen lässt.. Innerhalb der Installation schoben sich abwechselnd analoge, digital-darstellende und maschinengemachte Reize in den Vordergrund. „Im Schwarm“ funktioniert als sinnliches Werk mit atmosphärischem Aufbau und als Lehrstück, wie unterschiedliche Medien als Einheit zusammenwirken. Vor allem machte die Ausstellung deutlich, dass Komplexität Menschen rational überfordert, sie aber keineswegs von einer sinnlichen Kunstwahrnehmung abhält.“
Die Videotechnik und der Schnitt wurde von Jens Werner unterstützt und umgesetzt.
Fotos: Sandra Beckefeldt