,,Lot’s (S)Lot”
Öl auf Leinwand, mixed media auf Papier, Videoprojektion.
Der Titel hat eine doppelte Bedeutung in der englischen Sprache „Loth's Lot“ also Loths Schicksal oder auch „Loth('s) Slot“ also Loths Schlitz...Einwurf...Spalte.
Bei dieser Arbeit geht es um eine Auseinandersetzung mit der „Heiligen Schrift“...in diesem Fall um eine Stelle aus dem Alten Testament(Gen 19,1-29) und (Gen 19,30-38).
Loth wohnt mit seiner Frau und seinen Töchtern in der sündigen Stadt Sodom. Gott ist zu Ohren gekommen, dass es dort gewalttätig und pervers zugeht und schickt zwei Engel um diese Stadt auszukundschaften und nach „Gerechten“ zu suchen, die vor der Zerstörung Gottes verschont bleiben sollen. Loth nimmt die zwei Fremden bei sich auf. Daraufhin kommt eine Meute Sodomiter an seine Tür und fordert die Herausgabe der Jünglinge „um mit Ihnen Geschlechtsverkehr zu treiben“. Loth bietet der Meute Anstelle seine jungfräulichen Töchter an:“Da habe ich zwei Töchter, die keinen Mann gekannt haben. Diese will ich euch herausbringen und tut mit Ihnen wie euch beliebt“ (Genesis 19, 6). Gott belohnt diese „Gute Tat“ in dem er Loth und seiner Familie die Flucht ermöglicht. Als seine Ehefrau entgegen dem Verbot der Engel auf die Zerstörung der Stadt zurückblickt, erstarrt sie als Strafe zur Salzsäule. Loth flieht mit seinen Töchtern nach Zoar und später weiter ins Gebirge in eine Höhle, wo die beiden Töchter ihren Vater betrunken machen und ihn verführen. So wird Loth zum Vater und auch gleichzeitig Großvater von den beiden aus dieser Verbindung entstandenen Söhnen Moab und Ben Ammi, aus denen die Völker der Moabiter und Ammoniter entstehen.
Loth und seine Töchter war ein sehr beliebtes Thema in der Kunstgeschichte, denn es erlaubte die Bearbeitung eines sexuellen Themas und die Werke waren somit beliebte Bilder für die Herrenzimmer. Dabei war die häufigste Darstellung der Teil der Geschichte indem die Töchter ihren Vater verführen. In der hinteren größeren Papierarbeit finden sich deshalb Ausschnitte aus den Werken der Kunstgeschichte: die vielen „verführten“ Gesichter des Loth. Die Töchter haben in dieser Geschichte keinen eigenen Namen und werden nur durch Vater und Söhne definiert. In meiner Arbeit geht es mir darum den Hergang der Geschichte in Frage zu stellen, indem ich im Extremen darstelle was diese Töchter tatsächlich gemacht haben sollen. Zuerst sollen die jungfräulichen Töchter einer notgeilen Meute ausgeliefert werden und dann sollen diese, vermutlich traumatisierten, Töchter über den hilflosen Vater hergefallen sein. Sexueller Missbrauch wird schon seit jeher gerne als eine Verführung von Seiten der Opfer dargelegt, womit die Täter zu willfährigen Hilflosen werden und somit entlastet sind. Dieser Akt der Inzucht wird in der Bibel auch noch dadurch sanktioniert, dass die Söhne der Töchter zwei wichtige Ursprünge von Völkerstämmen bilden.
Des Weiteren werden in der Bibel zumeist nur zwei Sorten Frauen beschrieben: die Heiligen, die dem Sex völlig entsagen oder die Lüsternen, die arglose Männer verführen – beide können keine eigene selbstbestimmte Sexualität leben, denn auch die Verführerinnen können nur auf die Gunst der Männer hoffen.
Es wurde Zeit für eine neue Art Bild, einem das nicht gerne in den Herrenzimmern gesehen wird.